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Flächenfräsen bei Fortescue: Produktion mit Präzision

Im Rahmen eines Expansionsvorhabens in Höhe von 8,4 Milliarden Dollar erweitert Australiens drittgrößter Eisenerzproduzent seine Flächenfräsenflotte mit dem Ziel, seine Produktionsleistung bis Mitte 2013 zu verdreifachen.

Jul-2012

Der Umfang des Eisenerzabbaus und der Eisenerzverladung in der Pilbara-Region des Bundesstaates Westaustralien ist gewaltig und geht fast über unser Vorstellungsvermögen hinaus. Er ist größer als jeder andere jüngste regionale Bergbauboom in einer globalen Branche, die wie keine andere auf großangelegte Projekte, wie z. B. große Bergwerke, riesige Maschinen und ehrgeizige Pläne, spezialisiert ist.
 
Die Zahlen sprechen für sich: Das australische Bureau of Resources and Energy Economics (BREE) gab im Juni bekannt, dass die Produzenten in Pilbara im vergangenen Jahr insgesamt 463 Millionen Tonnen verladen haben, und sich dieses Volumen im kommenden Geschäftsjahr voraussichtlich auf 510 Millionen Tonnen steigern wird. Darüber hinaus beläuft sich laut Statistiken der Regierung von Westaustralien die Investitionsfinanzierung für 15 im fortgeschrittenen Erschließungsstadium befindliche Eisenerzprojekte in der Region auf insgesamt $25,6 Milliarden.
 
Rio Tinto ist der zweitgrößte Eisenerzproduzent der Welt nach dem brasilianischen Rohstoffkonzern Vale und produziert von seinen Minen in Pilbara derzeit rund 230 Mio. Tonnen Eisenerz pro Jahr. Ziel des Konzerns ist die stufenweise Erhöhung der Förderung auf zunächst 283 Mio. Tonnen jährlich. In der ersten Hälfte 2015 soll dann die Kapazität auf 353 Mio. Tonnen jährlich ausgedehnt werden.
 
Rio Tinto, das bereits 4,2 Milliarden Dollar für dieses Expansionsvorhaben bereitgestellt hat—wovon der Großteil auf den Hafen- und Schienenausbau entfällt—wartet derzeit noch auf die Genehmigung seiner Joint Venture-Partner und der Regierung von Westaustralien, um mit der Erhöhung der Produktionskapazität seiner Mine fortzufahren und dadurch diese Expansionspläne zu unterstützen.
 
Der Bergbaukonzern BHP Billiton, Rio Tintos schärfster Konkurrent, hat ebenfalls Pläne zur Kapazitätssteigerung für seine Eisenerzproduktion in Pilbara angekündigt. Das Unternehmen gedenkt zunächst 7,4 Milliarden Dollar zu investieren, um die Förderleistung von derzeit 155 Millionen Tonnen jährlich bis 2014 auf 225 Millionen Tonnen jährlich zu steigern. Danach beabsichtigt das Unternehmen seine Produktion bis 2020 auf 350 Millionen Tonnen jährlich auszubauen. Langfristig soll die Produktion auf jährlich 450 Millionen Tonnen hochgeschraubt werden, wobei ein bestimmtes Datum hierfür allerdings nicht feststeht.
 
Der Wettbewerb auf dem Eisenerzmarkt von Pilbara ist äußerst aggressiv und kein anderes Unternehmen hat diese Strategie entschlossener verfolgt als die Fortescue Metals Group. Die Fortescue Metals Group ist der drittgrößte Eisenerzproduzent und war vor ihrer Gründung im Jahr 2003 in dieser Region nicht vertreten. Seither hat sich das Unternehmen zu einem Hauptakteur entwickelt mit Hämatiterzreserven von 2,2 Milliarden Tonnen und nahezu 12 Milliarden Tonnen Erzvorräten. Derzeit setzt das Unternehmen eine Expansionsstrategie um, mit der die Produktionsleistung bis Mitte 2013 auf 155 Millionen Tonnen verdreifacht wird. FMG hat für 2012 ein Produktionssoll von jährlich 55 Millionen Tonnen festgesetzt.
 
Dank der von den drei größten Produzten veranschlagten Mitteln in Milliardenhöhe wird sichergestellt, dass kurzfristig kein Rückgang der Bergbautätigkeit in der Pilbara-Region in Sicht ist. Allerdings scheinen die „großen Drei von Pilbara“ angesichts der jüngsten Abschwächung des Markts für Eisenerz zusammen mit dem erhöhten Augenmerk der Bergbaukonzerne auf die Zufriedenheit ihrer Aktionäre anstatt auf die unkontrollierten Expansionsausgaben sowie die Aussicht eines zunehmend härteren Wettbewerbs in den chinesischen/indischen Märkten seitens Vale ihre ehrgeizigen Investitionspläne etwas abgeschwächt zu haben. So verkündete beispielsweise Nev Power, CEO von FMG, dass das Unternehmen die Erhöhung seiner Produktionskapazität auf 250 Millionen Tonnen jährlich bis 2015 nochmals überdacht hat und stattdessen eine inkrementelle Erhöhung der Produktion von 20 Millionen auf 50 Millionen Tonnen pro Jahr während dieses Zeitrahmens ins Auge fasst.
 
Auch die Wettbewerber des Unternehmens, Rio Tinto und BHP Billiton, haben vor Kurzem gemischte Signale bezüglich ihrer langfristigen Investitionspläne gesendet. In seiner Rede am australischen Institute of Company Directors im Mai erklärte der Vorsitzende von BHP Billiton, Jac Nasser, dass die Bergbauindustrie derzeit „über mehr Projekte als Cashflows verfüge" und der „Anlagehorizont sich verändert habe“. Außerdem würde BHP Billiton sein Kapital umleiten oder überhaupt nicht investieren, wenn das Unternehmen die Kriterien in einem seiner Projekte nicht erfüllen könne. Tom Albanese, CEO von Rio Tinto, hat Berichten zufolge in einer konzernweiten Mitteilung vom 2. Juli die Kürzung der Support- und Servicekosten um 10 % angekündigt, nachdem die Kosten für diese Ausgaben im Vorjahr um 30 % gestiegen sind, wobei Australien eines der hochpreisigen Einsatzgebiete ist.
 
Die Leiter von Rio Tintos und BHP Billitons Eisenerzbetriebe—Sam Walsh und Ian Ashby—haben jedoch öffentlich behauptet, dass die von ihren Unternehmen geplanten Investitionen in die Pilbara-Betriebe weitgehend unverändert bleiben. Interessanterweise hat Billitons Ashby im März überraschend seinen Rücktritt angekündigt, nachdem seine informellen Bemerkungen hinsichtlich einer erwarteten Abflachung der Nachfrage Chinas nach Eisenerz einen Einbruch des Aktienkurses des Unternehmens zur Folge hatte.
 
Rasanter Anstieg der Umsatzerlöse
Das junge Unternehmen FMG, das aus der Übernahme von Allied Mining & Processing durch Metal Group Pty. Ltd. im Jahr 2003 hervorgegangen ist, erhielt noch im selben Jahr seine ersten Abbaurechte an der Christmas Creek Mine gefolgt von den anfänglichen Abbaurechten an der Cloudbreak Mine. Vier Jahre später, im Oktober 2007, begannen die Abbauarbeiten in der Cloudbreak Mine. Im April 2008 schloss das Unternehmen den Bau der Eisenbahnstrecke zwischen der Cloudbreak Mine nach Port Hedland ab und im Mai wurde die erste Lieferung Eisenerz im Herb Elliott Hafen auf ein Schiff verladen. Heute besitzt das Unternehmen in der Pilbara-Region die Abbaurechte für eine Fläche von 85.000 km² und erwirtschaftet einen ausgewiesenen Jahresumsatz von ca. 5,5 Milliarden Dollar.
 
FMGs Abbau- und Verarbeitungsbetriebe sind derzeit verstärkt im Chichester Hub angesiedelt, dem östlichsten der drei regionalen Abbaugebiete in der Pilbara-Region, wo sich auch die Cloudbreak und Christmas Creek Minen befinden. Eine neue Mine mit einer Kapazität von 60 Millionen Tonnen am Solomon Hub 120 km westlich von Chichester wird voraussichtlich Ende 2012 den Betrieb aufnehmen. Darüber hinaus führt FMG aktiv Bohrungen auf seinen Western Hub Liegenschaften durch, wo das Unternehmen bereits 625 Millionen Tonnen Erzressourcenvorkommen gefunden hat, die eventuell an eine neue Hafenanlage in Anketell Point, W.A. geliefert werden soll, deren Bau das Unternehmen derzeit in Erwägung zieht.
 
Außerdem liegt FMGs jüngste Abbaustätte Nyidinghu, die laut Unternehmen mindestens 2 Milliarden Tonnen hochwertige Hämatiterzressourcen (Brockman-Typ) enthält, weniger als 35 km vom Chichester Hub entfernt. Das Unternehmen beurteilt derzeit eine frühe Aufnahme der Produktion und sieht als nächsten Entwicklungsschritt ein großangelegten Projekt vor.
 
Während die langfristigen Produktionsprognosen derzeit noch nicht eindeutig festgelegt sind, steht für FMG die Realisierung kurzfristiger Ziele zunächst im Vordergrund, vor allem in Bezug auf das letzte Jahr des „T155“ Programms, unter dem das Unternehmen seine Förderleistung auf 155 Millionen Tonnen pro Jahr erhöhen will.
 
In der Cloudbreak Mine werden derzeit 40 Millionen Tonnen Erz pro Jahr abgebaut und verarbeitet. Zu Beginn dieses Jahres erhielt FMG die Genehmigung der Regierung zur Fortsetzung seines Expansionsvorhabens in der Cloudbreak Mine, wozu u. a. die Erschließung neuer Gruben, der Ausbau von Schutthalden und die Modernisierung der Erzaufbereitungsanlage gehören. Infolge dieses Expansionsprojekts kann die Erzproduktion auf jährlich 50 Millionen Tonnen erhöht werden.
 
Die nahegelegene, neuere Christmas Creek Mine produziert gegenwärtig 35 Millionen Tonnen pro Jahr und fährt seine Kapazitäten derzeit hoch, um bis Ende 2012 die Förderraten auf 40 Millionen Tonnen jährlich zu erhöhen. Der Bau einer zweiten Erzaufbereitungsanlage ist derzeit im Gange. Laut FMG werden in den Cloudbreak/Christmas Creek Minen durch die gemeinsam Nutzung der Lagerplätze, der Beladungsvorrichtung für Bahnwaggons und den Ausbau von Wasser- und Stromversorgungsanlagen Synergieeffekt erzielt.
 
Insgesamt wird sich dank der Erweiterungsarbeiten das Leistungssoll des Chichester Hub bis zum Ende des Jahres auf jährlich 90 Millionen Tonnen erhöhen, während weitere 5 Millionen Tonnen pro Jahr vom Fortescue/BC Iron Nullagine Joint Venture über die Christmas Creek Mine expediert wird.
 
FMG erwartet, dass das Unternehmen vom Department of Mines and Petroleum von Westaustralien grünes Licht erhält, um bis Ende 2012 mit dem großangelegten Abbauprojekt in der Solomon Mine zu beginnen. Im Dezember 2012 soll das erste Erz in der neuen, für 20-Millionen-Tonnen pro Jahr ausgelegten Firetail Erzaufbereitungsanlage verarbeitet werden. Im März 2013 folgt dann die Inbetriebnahme der neue Kings Erzaufbereitungsanlage, die 40 Millionen Tonnen Erz pro Jahr verarbeiten kann.
 
Angewiesen auf die Technologie
Alle großen Produzenten in der Pilbara-Region sind maßgeblich auf die Technologie angewiesen, um die für den Betrieb der großangelegten, komplexen Abbau- und Verarbeitungsanlagen in den abgelegenen Gebieten erforderlichen Kosten, Zeitaufwand und personellen Ressourcen möglichst gering zu halten. So hat beispielsweise Rio Tinto kürzlich fünf autonome Komatsu-Lkw von ihrer West Angelas Mine, die im Rahmen eines Testprogramms Schutt fahrerlos über spezielle Strecken befördert hatten, in die Yandicoogina Mine verlegt, wo sie zusammen mit fünf neuen autonomem Komatsu Lkw Eisenerz befördern und abladen. In den nächsten 4 Jahren hat Rio Tinto den Einsatz weiterer 150 fahrerloser Transportsysteme von Komatsu in seinen Pilbara-Betrieben geplant. Darüber hinaus wird das Unternehmen ca. 442 Millionen Dollar für die Automatisierung der auf seinem umfassenden Schienennetz verkehrenden Züge aufwenden.
 
Auch das Bergbauunternehmen BHP Billiton, das sich beim Kauf hochmoderner Technologie generell zurückhaltend zeigt und sich stattdessen lieber auf bewährte Produkte verlässt, zieht die Einbindung autonomer Bergbautransportsysteme von Caterpillar in einigen seiner Minen in Erwägung. Darüber hinaus eröffnet das Unternehmen ein integriertes Remote Operations Center (ROC) in Perth, von dem aus die kurzfristige Terminierung, Planung und die Steuerung der Betriebe in der Pilbara-Region von einer zentralen Stelle aus abgewickelt werden sollen. Eine ähnlich Einrichtung gibt es bereit bei Rio Tinto.
 
Auch FMG zögert nicht mit der Übernahme neuer Technologien und wird schon in Kürze eine große Flotte an autonomen Bergbautransportsysteme von Caterpillar für den Einsatz in seinen neuesten Minen bestellen. Die jüngsten Ereignisse haben gezeigt, dass das Unternehmen mit der Auftragserteilung nicht unbedingt bis zum Ender der Prototypenerprobung wartet. Vorausgesetzt, die Manager und Ingenieure sind davon überzeugt, dass eine neue Technologie oder ein neues Produktionsgerätemodell FMG beim Erreichen seiner Produktionsziele unterstützen kann. Das war zum Beispiel im Jahr 2011 der Fall, als Vermeer, ein im US-Bundesstaat Iowa ansässiger Hersteller von Terrain Leveler Flächenfräsen (SEM) sein neuestes Modell, die T1655, vorführte.
 
Flächenfräsen werden in den Cloudbreak und Christmas Creek Betrieben von FMG bereits großflächig eingesetzt. Infolge der langen und flachliegenden Struktur des Eisenerzdepots und die damit verbundene wirtschaftliche Notwendigkeit für einen selektiven Abbau sah der Tagebauzuschnitt der Cloudbreak Mine von Anfang an einen oberflächennahen Abbaubetrieb vor. Die Bedingungen in Christmas Creek sind ähnlich und mehrere Gruben in der neueren Mine sind ausschließlich für den Einsatz von Flächenfräsen vorgesehen, wobei das Unternehmen verschiedene Maschinen der Firmen Vermeer und Wirtgen einsetzt.
 
Im Jahr 2011 verfügte die Mine über eine Flotte von neun Vermeer T1255 Flächenfräsen, die zum damaligen Zeitpunkt größte Maschine von Vermeer. Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis die Vermeer Maschinen Konkurrenz von Wirtgens neuem 4200 SM erhielten. Der 4200 SM ist eine deutlich größere Maschine, die beim Testeinsatz vor Ort im Jahr 2009 doppelt so hohe Schneidraten erzielte wie das kleinere 2500 SM Modell von Wirtgen. FMG bestellte umgehend zusätzliche 4200 SM, von denen 10 in der Christmas Creek Mine zum Einsatz kommen würden, während sich Vermeer mit dem Risiko konfrontiert sah, zukünftige Aufträge zu verlieren.
 
Verzögerte Entwicklung
Vermeer hatte 2007 mit der Entwicklung einer größeren Flächenfräse begonnen, aber während der weltweiten wirtschaftlichen Rezession der Jahre 2008-2009 das Entwicklungstempo für dieses Projekt bewusst verlangsamt. Laut Mark Cooper, Senior Director of Specialty Excavation von Vermeer, gab gerade diese Entwicklungspause dem Unternehmen die Gelegenheit, einige wichtige Konstruktionselemente zu überprüfen und umzugestalten, bevor die Konstruktion des Prototypen in Angriff genommen wurde. Eine der wichtigsten Entscheidungen hinsichtlich des Maschinenkonzepts war, ob die Maschine für die Schwadenlegung (Cut-and-Leave) oder die Materialverladung auf Dumper (Cut-and-Load) ausgelegt werden sollte, um mit dem Ansatz des Wettbewerbers gleich zu ziehen.
 
Nach Ansicht von Vermeer barg der Cut-and-Load-Ansatz, bei dem das extrahierte Material über ein integriertes Förderband direkt auf im Schritttempo fahrende Lkw verladen wird, zu viele variable Faktoren, die sich auf die Förderraten auswirken könnten, wie z. B. veränderte Schneidgeschwindigkeiten und die Anzahl der verfügbaren Lkw. Stattdessen entschied sich das Unternehmen, die T1655 Flächenfräse für die Schwadenlegung zu konstruieren, bei der der Abraum hinter der Maschine abgelegt wird und die Verladung und der Transport von anderen Maschinen durchgeführt werden. Um potenziellen Kunden bei der Wahl des richtigen Ansatzes zu helfen, hat Vermeer ein „Rock Lab“-Programm entwickelt. Laut Cooper werden im Rahmen dieses Programms die Bedingungen am Einsatzort beurteilt und detaillierte Angaben zu den effizientesten Schneid- und Verlademethoden für die jeweilige Abbaustätte zur Verfügung gestellt.
 
Angesichts der konjunkturellen Belebung setzte Vermeer die 8 Millionen USD teure Erneuerung seiner Produktionsanlagen fort, die ausschließlich zum Bau von T1655 Flächenfräsen vorgesehen sind. Ein Prototyp der Maschine wurde im Mai 2011 gebaut und umgehend nach Australien versandt, wo die Maschine wieder zusammengebaut und im September zur Christmas Creek Mine transportiert wurde. Nach nur knapp 1000 Stunden Einsatzerprobung in einem Produktionsumfeld hat FMG im Oktober sieben T1655 in Auftrag gegeben, einschließlich der bereits am Einsatzort eingesetzten Maschine. Als Mitarbeiter der Fachzeitschrift „Engineering and Mining Journal“ Anfang Juni die Vermeer und FMG Werke in Westaustralien besuchten, wartete bereits die zweite T1655 Flächenfräse in Vermeers Perth-Werk auf ihren Versand. Fünf weitere wurden am Unternehmensstandort in Pella, Iowa, gebaut, wo das Produktionsziel die Fertigung einer Maschine alle 60 Tage vorsieht.
 
Neue Frästrommel ersetzt altes Design
Die 181,4 Tonnen schwere T1655 Flächenfräse ist zweimal so groß und weist doppelt so schwer wie ihr Vorgängermodell T1255. Die vollständig ausgefahrene Maschine misst vom Boden bis zum Dach der Fahrerkabine 5,2 m und ist 13,4 m lang und 6,4 m breit. Die neue Flächenfräse ist mit Direktantrieb anstatt mit Kettenantrieb ausgestattet, wodurch sie sich wesentlich von der T1255 unterscheidet. Die direkt an der Frästrommel befestigten Antriebsmotoren steigern die Effizienz und reduzieren die mit der Kette, dem Kettenrads und des Riemenantriebs verbundenen Verschleißkosten, erklärte Vermeer Engineering Manager Jeff Flahive. Die Trommel ist an der Rückseite der Maschine montiert und sorgt dafür, dass die Raupenlaufwerke während des Fräsens von Material auf ungefrästem Boden bleiben. Dies und der tiefliegende Schwerpunkt der Maschine bieten ausreichend Traktion und halten die T1655 ausgewuchtet und stabil. Die Frästrommel ist mit einer patentierten Neigungsfunktion ausgestattet, durch die sie um 5° in alle Richtungen geneigt werden kann, um einen saubere und glatte Fläche auszuheben.
 
Während der Erprobung des Prototypen in der Christmas Creek Mine zeigte sich sehr schnell, wie durch die Größe, Leistung und Fräseffizienz der Maschine die Produktivität maximiert wird: Mit der T1655 konnten in einer Stunde 2500 Tonnen Hämatiterz gefördert werden im Vergleich zur maximalen Förderrate von 600 Tonnen pro Stunde der T1255.
 
Die hydrostatischen Doppelraupenfahrwerke der T1655 sorgen für eine unabhängige Rotation in jede Richtung. Die Lastregelung passt die Fahrgeschwindigkeit der Maschine automatisch an, um die vollständige Motorleistung zu nutzen und die Maschine produktiver zu machen. Dadurch wird eine stabile Fahrantriebsgeschwindigkeit gewährleistet und in den unterschiedlichsten Einsatzbedingungen für maximale Produktivität gesorgt.   Die Frästrommel kann eine 3,6 m breite Schwade mit einer Rate von 1,5 bis 2,5 m/Minute bis zu 0,7 m tief ausheben und einen Streifen von gleichförmigen 15 bis 20 cm breiten Gesteinsbruchstücken legen, vorausgesetzt die Frästiefe ist für die vorherrschenden Bedingungen eingestellt.
 
Die T1655 ist mit zwei Cat C18 ACERT Motoren ausgestattet, die eine Gesamtleistung von 895 kW erbringen. Beide Motoren übertragen die Leistung auf einen herkömmlichen Pumpenantrieb. Unter normalen Bedingungen liefert jeder Motor gleich viel Leistung an die Maschine. Sollte einer der Motoren jedoch ausfallen, kann die Maschine auch mit einem Motor betrieben werden. Ein 3028-Liter-Kraftstofftank gewährleistet eine Einsatzzeit von über 13 Stunden im Dauerbetrieb bei maximaler Leistung.
 
Als jüngstes Mitglied der Terrain Leveler Flächenfräsen-Produktreihe von Vermeer ist die T1655 auch mit einer neuen TEC Plus-Anzeige versehen, die die Kommunikation mit den verschiedenen Steuermodulen im gesamten Maschinenbereich ermöglicht. Die TEC Plus-Anzeige ermöglicht die Überwachung und Bedienung Maschinenfunktionen durch den Bediener und verbessert die Onboard-Diagnosefähigkeiten. Laut Unternehmen verhindert die Mikroprozessorsteuerung der Maschine schwerwiegende Bedienungsfehler.
 
Die Fahrerkabine wurde ebenfalls verbessert und verfügt jetzt über ein Luftfiltersystem, zwei Heiz- und Kühlsysteme sowie eine Schalldämmung aus Schaumstoff und die zwei luftgefederten Sitze. Zur Gewährleistung einer optimalen Sicht kann die Kabine während des Betriebs auf eine maximale Höhe von 5 m hochgefahren und um 58 cm nach außen geschwenkt werden. Die Fahrerkabine ist von der tragenden Struktur der Maschine durch Luftpolsterung getrennt und entspricht den Normen für Überrollschutz.
 
Verfolgung des Eisenerzes
Die flachliegende tafelförmige Struktur der Erzstöcke der Cloudbreak und Christmas Creek Minen erschwert das konventionelle Abbauverfahren Bohren und Sprengen, weil durch das Mischen von Erz und Abraum das Risikos eines erhöhten Kieselsäureanteils besteht. Obwohl das Abraumgut auf konventionelle Weise gesprengt, verladen und abtransportiert wird, erweisen sich die Flächenfräsen dank ihrer präzisen Fräsleistung und der Fähigkeit zur „Verfolgung“ der mäandernden Erzflöze als hocheffizientes Werkzeug beim Erreichen der Produktionsziele der Minen.
 
In Christmas Creek sind derzeit fünf Gruben aktiv, die eine bestimmte Tagesmenge Erz abbauen, mit der FMG die Produktspezifikationen erfüllen kann. Sobald der Erzstock abgetragen wurde und etwa 60 % oder mehr des Erzes freiliegen, werden mit den Flächenfräsen Fräsungen in einer Tiefe von ~400 mm vorgenommen. Diese Tiefe wurde als optimale Kombination aus Schneidgeschwindigkeit und einheitlicher Zerkleinerung ohne übermäßiges Feingut festgelegt. Dank der Neigungsfunktion der Trommel, durch die die Fräsarbeiten den Bodenunebenheiten angepasst werden kann, und der einstellbaren Frästiefe können die Flächenfräsen einen ebenen, einheitlichen Grubenboden erzeugen durch den der Verschleiß von Grubengeräten minimal gehalten werden kann, insbesondere bei Maschinen mit Gummibereifung. Außerdem können in vielen Fällen anstelle von herkömmlichen Schwerlastkraftwagen geländegängige Lkw eingesetzt werden.
 
Der Abraum wird in Streifen oder Bahnen hinter den Flächenfräsen abgelegt, es werden Proben entnommen und dann wird das Material mit einer Flotte von D10T Cat Bulldozern zu großen Halden geschoben. Später wird es mit Cat 992 oder 994 Radladern für den Transport zur Erzaufbereitungsanlage auf Lkw mit festem Aufbau oder Lastkraftwagenzüge mit Sattelauflieger und Anhängern verladen.
 
Das Produktionstempo ist rasant, um das von der Mine festgelegte Ziel einer Verladung von fünfeinhalb Zugeinheiten täglich zu erreichen: Im April hat die Flotte von Christmas Creek in einem Zeitraum von 24 Stunden 649.000 Tonnen Material abtransportiert. Ferner wurden im April in der Erzaufbereitungsanlage 1 in 24 Stunden fast 79.000 Tonnen aufbereitetes Erz produziert, und die Zugverladeanlage verlud an einem Tag 127.300 Tonnen.
 
FMG erwartete in dem im Juni endenden zweiten Quartal eine Erzlieferungen von voraussichtlich 15,8 Millionen Tonnen.
 
Obwohl FMG in seinem neuesten Tagebauprojekt am Solomon Hub konventionelle Tagebaumaschinen einsetzen wird, zeigt sich Vermeer hinsichtlich der Rolle, die seine neueste Flächenfräse bei der Realisierung der im Rahmen des „T155“-Programms festgelegten Ziele spielen wird, optimistisch. Außerdem strebt das Unternehmen in Zukunft noch ehrgeizigere Ziele an, mit denen FMG seine Eisenerz-Produktionsplattform auf jährlich 355 Millionen Tonnen erweitern könnte. In Zukunft plant das Unternehmen die Maschine mit einem Zweiwege-Kommunikations- und einem GPS-System auszustatten. Scott Cooper von Vermeer sieht gute Einsatzchancen für die Fähigkeiten der Flächenfräsen. „Ein Bergbauingenieur könnte beispielsweise im Büro einen Abbauplan entwickeln und die Daten an die Flächenfräse senden. Der Bediener kann sich den Plan am Bildschirm anzeigen lassen und aufrufen und seine Arbeit basierend auf dem neuen Abbauplan ausführen.
 
„In diesen Technologien liegt die Zukunft des Präzisionsabtrags im Tagebau“, erklärte Cooper „Holen Sie auf effiziente Weise einen noch höheren Wert aus der Mine heraus.“
 
Mit freundlicher Genehmigung des Engineering and Mining Journal